Freitag, 27. April 2018

Grünfärberei


Wenn man sich mit dem Thema Greenwashing beschäftigt, wird einem schlecht. Schlecht, weil es so viele Menschen gibt, denen das Wirtschaften in die eigene Tasche über alles geht. Schlecht, weil es sichtbar macht, wie sehr wir manipulierbar sind. Atomstrom ist natürlich nicht die Alternative zu Erdöl. Gentechnisch verändertes Saatgut ist natürlich nicht das Allheilmittel gegen den Hunger in der Welt. Aber man will es uns glauben machen. Mit sehr viel ausgeklügelter PR, mit sehr viel perfider Taktik.

Es fängt ja schon im Kleinen an, bei dem beispielsweise, was wir täglich essen. Birkenzucker etwa, ein Paradebeispiel für Grünfärberei: Da wird mit einem pflanzlichen Namen geworben, mit grünen Etiketten, mit Holzsüsse aus Finnland, mit Zahnfreundlichkeit und Kalorienreduktion. Dabei ist Birkenzucker nichts anderes als der Zuckeralkohol Xylit, ein Zusatzstoff mit E-Nummer, der in einem aufwändigen Prozess industriell aus Holz- und Maisabfällen hergestellt wird und den Darm zum Protestieren bringt, wenn man zu viel davon isst. Nix mit natürlich, nix mit Grün. Und in einem Hundehaushalt hat er sowieso ganz generell nichts verloren, weil bei ihnen schon kleine Mengen tödlich giftig wirken.

Oder bei diesem ausufernden Wildwuchs an Logos und Stempeln auf den Produktverpackungen – blickt da noch irgendjemand durch? Wie verlässlich sind die vielen Siegel und halten sie, was sie versprechen? Können wir ihnen – vielleicht sogar blind – vertrauen?
Nö… sorry. Leider allzu oft nicht. Heutzutage ist es oberste Konsumentenpflicht, kritisch zu sein und sich selbst zu informieren. Das ist schade und traurig, aber eben auch wahr.



Birkenzucker

Grünfärberei geht auch anders. Und auch Birkenzucker geht anders. Dieser hier bleibt grün, auch wenn die oberste Schicht abgekratzt ist. Er schmeckt unbekannt und spannend, blumig und duftig. Mit ihm lässt sich hervorragend Obst aromatisieren, wie etwa dieser Marillensalat aus dem vergangenen Sommer. Wichtig ist, nur ganz ganz junge, zarte Birkenblätter zu verwenden, am besten gleich nach dem Knospen (wofür es jetzt eh schon wieder zu spät ist, Hilfe!) – ansonsten wird er schnell zu bitter. In einem gut verschlossenen Glas kann Birkenzucker einige Zeit aufbewahrt werden.

Zutaten

ganz junge, kleine, frische Birkenblätter
Kristallzucker

1. Die frisch gepflückten Birkenblätter in einen Becher geben und das Volumen ablesen.

2. Dieselbe Volumenmenge an Kristallzucker abmessen.

3. Beides gemeinsam in der elektrischen Kaffeemühle zu einem lindgrünen, feuchten Zuckergemisch vermahlen.

4. Birkenzucker auf ein Teller geben und bei Zimmertemperatur in 1 – 2 Tagen trocknen lassen, dabei immer wieder einmal durchmischen.

5. Abfüllen und gut verschließen.

Für den Marillensalat habe ich pro Person 3 Marillen in Spalten geschnitten, mit 1 EL Birkenzucker vermengt und im Kühlschrank einige Zeit durchziehen lassen. Der Marillensalat schmeckt kühl serviert am besten.

Kommentare:

  1. deinen Birkenzucker muss ich unbedingt nachmachen! Den anderen mag ich nicht, schmeckt mir nicht, und ich habe meine 1. und einzige Packung, die ich gekauft habe, verschenkt...
    Blind etwas oder jemandem vertrauen ist immmmer schlecht, lg

    AntwortenLöschen
  2. Bio-Birkenzucker habe ich mal zum Ausprobieren erworben und erst danach erfahren, dass er für Hunde tödlich sein kann. Seither fristet der Rest ein ungeliebtes Dasein im hintersten Winkel des Vorratsschrankes (vielleicht kann ich ihn mal irgendwann irgendwelchen Gästen ohne Hundeanhang andrehen...).

    AntwortenLöschen
  3. Großartig! Das muss ich unbedingt auch probieren!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Das freut mich! Am besten auf nächstes Jahr warten, jetzt sind die Birkenblätter schon arg groß ... ;-(

      Löschen
  4. Hallo Maria!
    Das klingt ja voll spannend! Mmmhhh....blumig & duftig- und mit Obst bestimmt ein neues Geschmackserlebnis.
    Ich bin auch überhaupt kein Freund von E-Nummern. Ich mache ganz viel selber- so gut es eben geht. Ich bevorzuge auch den "normalen" Zucker. Alles mit Maß und Ziel. Mit Kokosblütenzucker hab ich schon gebacken- den find ich ganz ok.
    Liebe Grüße, Renate

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Kokosblütenzucker mochte ich auch ganz gern, ich hab mal 1 kg erworben und vieles damit gesüßt. Seit die Packung aus ist, nehm ich gerne wieder Braunzucker :-)
      Liebe Grüße!

      Löschen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...