Freitag, 17. November 2017

Nur ned hudeln


Als Georg, ein Unsympathler wie er im Buche steht, erfährt, dass er pleite ist, erklärt er seiner zugegebenermaßen etwas naiven Frau Maria auf aggressiv machend arrogante Art und Weise, wie das so läuft in seiner Welt:

Ich weiß, dass wir pleite sind, aber wir sind nicht pleite. Erst, wenn nach draußen dringt, dass wir pleite sind, dann sind wir pleite.

Woraufhin Maria ihm das eh schon allzu Offensichtliche eröffnet, nämlich, dass sie schwanger ist – natürlich nicht von ihm. Und erklärt:

Das ist genauso wie mit der Pleite. Du weißt, du bist nicht der Vater, aber du bist der Vater. Erst wenn irgendjemand erfährt, dass du nicht der Vater bist, bist du nicht der Vater und das willst du doch nicht, oder?*


Schöner Schein, makellose Welt. In diesem Sinne: Meine heurigen Allerheiligenstriezel sind sowas von perfekt geflochten, gell?


Next level Brioche

Heuer war es an der Zeit, die Allerheiligenstriezel für meine drei Patenkinder auf die nächste Ebene zu hieven: Mit der Einarbeitung eines Mehlkochstücks, auch Water-roux oder Tangzhong genannt, wurden die Brioches so wunderbar flaumig, saftig und watteweich, wie ich sie noch nie zusammengebracht hab. Warum ich das nicht schon früher ausprobiert hab?
Water-roux stammt aus dem asiatischen Raum und ist besonders gut für die Verwendung in süßen Germteigen geeignet. Durch die Verkleisterung der Mehlstärke beim Erhitzen lassen sich Teige mit deutlich höherem Flüssigkeitsanteil herstellen, was das Gebäck lockerer, saftiger und weicher macht und auch die Haltbarkeit verbessert. Gehalten habe ich mich dabei zum guten Teil an das Rezept von Ursula.
Lediglich beim Flechten hatte ich so meine Probleme – kein einziger Zopf ohne Flechtfehler! Argggh. Dabei zeigt es Dietmar eh so klasse vor, wie man einen schönen hohen Vierstrangzopf zusammenbringt … Merke: Hudeln ist beim Zopfflechten ein Kardinalfehler! Da gibt es doch dieses alte österreichische Sprichwort: Vom Hudeln kumman schiache Kinder. Na eben – und schiache Striezel a.

Zutaten für drei Striezel

Für das Kochstück
20 g Weizenmehl Type 700
100 ml Wasser

Für den Hauptteig
75 g weiche Butter
50 g feiner Kristallzucker
1 gehäufter TL Vanillezucker
1 Ei
1 Dotter
40 g Schlagobers (oder Sauerrahm)
1 gestrichener TL Salz
125 ml lauwarme Milch
20 g frische Hefe oder 1 Packerl Trockengerm
430 g Weizenmehl Type 700

Zum Bestreichen
1 Dotter
1 EL Milch

Zum Bestreuen
Mandelblättchen
Hagelzucker

1. Für das Kochstück Mehl und Wasser in einem kleinen Topf mit dem Schneebesen glattrühren. Erhitzen, bis die Masse puddingartig eindickt, dabei aber nicht aufkochen. Von der Hitze nehmen, abdecken und auf Raumtemperatur abkühlen lassen.

2. Für den Hauptteig die Butter mit Kristallzucker und Vanillezucker mit Hilfe der Küchenmaschine hellcremig rühren.

3. Ei und Dotter unterrühren.

4. Schlagobers, Salz, Milch, Hefe, das Kochstück und ein Drittel des Mehls dazugeben und unterrühren.

5. Auf den Knethaken wechseln und das restliche Mehl einarbeiten.

6. Den Teig 5 Minuten bei mittlerer Geschwindigkeit zu einem eher weichen Teig verkneten.

7. Die Teigschüssel abdecken und bei Raumtemperatur etwa 90 Minuten gehen lassen, bis sich das Volumen verdoppelt hat.

8. Den Teig aus der Schüssel nehmen und auf der gut bemehlten Arbeitsfläche kurz durchkneten. In 12 Stücke teilen, die Stücke rund schleifen und auf ein bemehltes Küchentuch setzen. Abdecken.

9. Die Teiglinge nacheinander zu etwa 30 cm langen Strängen ausrollen. Je 4 davon nach Dietmars Anleitung zu einem hohen Vierstrangzopf flechten. Und dabei nur ja ned hudeln!



10. Die Striezel auf Bleche mit Backpapier setzen (zwei pro Blech gehen sich aus).

11. Dotter mit Milch versprudeln und die Striezel sorgfältig rundherum damit einpinseln. Gehen lassen.


12. Nach 30 Minuten noch einmal einstreichen und mit Mandelblättchen und Hagelzucker bestreuen (diese Kombi finde ich übrigens wahnsinnig hübsch!). Unmittelbar danach den Ofen auf 180 °C Ober-/Unterhitze vorheizen.

13. Sobald der Ofen vorgeheizt ist, die Striezel hineingeben und in etwa 25 Minuten goldbraun backen.


14. Aus dem Ofen nehmen und auf einem Kuchengitter abkühlen lassen.


*aus der TV-Serie Vorstadtweiber

Kommentare:

  1. meine Liebe, ich seh nicht den geringsten Fehler, also schöner Schein UND Inhalt, köstliche Geschichte übrigens ;-)
    Der Teig klingt sehr fein mit dem Schlagobers und dem Kochstück, lg

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    1. Ich glaub ja fast, das war der beste Striezel bisher aus meiner Hand ... Danke du liebe!

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  2. Ich bewundere dich dafür, wie schön du den Hergang erklärst (auch die Fotos!) Und Tangzhong klingt super - so einfach und doch bringt es einen hauch Exotik in den Zopf.

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    1. Das ist ein schönes Kompliment, Ilse, danke! :-)

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  3. Diese Serie halt ich einfach nicht aus! Dank deines Zitates weiß ich nun auch wieder, was der Grund ist.
    Deinen Striezel schaut wahnsinnig gut aus. Auch nicht so narrisch aufgerissen, wie das meinen Striezeln hin und wieder passiert. Das ist vielleicht der Vorteig, oder? Meinen habe ich so etwas nie gegönnt.

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    1. Ich auch zum ersten Mal, liebe Susi! Und es zahlt sich wirklich aus! Bin total begeistert von diesem Mehlkochdings :-)

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  4. Boah, was schaut der Striezel locker aus! Den muss ich unbedingt nächstes Wochenende probieren! Allerdings gehören bei mir unbedingt Rosinen hinein. Wann sollte ich die am besten reingeben?

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    1. Gib die Rosinen gegen Ende der Knetzeit dazu, damit sie nicht allzu sehr beansprucht werden :-) Bei mir gehören Rosinen übrigens auch dazu, aber da steh ich (fast) allein auf weiter Flur ;-))) Gutes Gelingen!

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  5. Ich habe ebenfalls gerade einen meiner besten Zöpfe gemacht nach einem ähnlichen Rezept....und habe mich ebenfalls verflochten. ;)
    https://www.besondersgut.ch/cumulus-zopf/

    Liebe Grüße,
    Katrin

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    1. Liebe Katrin, ich war grad auf deinem Blog unterwegs - wie schön! Ich bin ganz begeistert :-)
      Nur, wo du dich verflochten haben sollst, das kann ich beim besten Willen nicht nachvollziehen ;-)))

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