Mittwoch, 6. September 2017

Oben angekommen


Das letzte Stück führt der Weg steil bergauf. Der Kinderwagen mit dem schlafenden Käferlein holpert über die Steine. Ich spüre das Minimädel hinter mir, es hält sich an einem Zipfel meiner Jacke fest und folgt mir lautlos. Rechts von mir springt Border Collie Chi von einer Pfote auf die andere und fordert mich, aufdringlich wie immer, mit einem Tannenzapfen zwischen den Zähnen zum Spiel. Mein Herzschlag wird schneller, die Oberarme beginnen zu brennen. Gleich geschafft.

Da streift mich ein Geistesblitz und ich denke: So ist es gerade, mein Leben, genau so. Ich schiebe und ziehe, oft außer Atem. Um mich herum so viele Wesen, die mich brauchen und beanspruchen. Und ich mitten drin.

Eigentlich weiß ich gar nicht, wie ich diesen Zustand beschreiben soll, ohne dass es weinerlich oder gar nach Jammern klingt. Die meiste Zeit finde ich es nicht schlimm, meine eigenen Bedürfnisse hintan zu stellen. So ist es eben im Moment. Und mir geht es gut. Aber manchmal nagt sie schon an mir, die Fremdbestimmtheit. Manchmal fühle ich mich … Nein, nicht eingesperrt. Unfrei.

Das Muttersein hat mich gezwungen, den Begriff der Freiheit für mich neu zu definieren. Es geht mir ähnlich wie ihr: Tatsächlich fühlt es sich für mich zurzeit wie die große, grenzenlose Freiheit an, alleine in den Supermarkt einkaufen zu gehen. Vielleicht bin ich deswegen bei Minimädel-Pferde-Filmen wie Spirit oder Ostwind, bei denen ja auch die individuelle Freiheit als zentrales Thema über der Geschichte steht, so berührt, ja zu Tränen gerührt: In vollem Galopp über die Wiesen fliegen, der Wind im Haar und großes Vertrauen im Herzen. Trag mich, mein Freund, wohin immer du auch willst. Wie habe ich diese Momente geliebt.

Jetzt steh ich hier, mit meiner großen, bunten, lauten Kinderschar. Und kann nicht anders, als herzlich zu lachen, obwohl ich weiß, dass ich hernach die ganze Küche putzen muss: Der kleine Mann hat die kurze Stillzeit genutzt, um mucksmäuschenleise auf den Hocker in der Küche zu klettern, seine Arme ellbogentief im Dalkenteig zu versenken und anschließend seine Tat mit Händeklatschen und fröhlichen Bravo!-Rufen zu bejubeln. Ich liebe es einfach, wie ausdauernd dieser kleine Lausbub alles ausprobiert und dabei jede Menge Unsinn anstellt. Und da fühle ich mich wie frisch oben angekommen.


Haferrahmdalken

Ein köstliches Dalken- und perfektes Familienrezept. Die Dalken haben Biss wegen dem Hafermark, sind dabei aber schön rahmig und reichhaltig. Dazu passt Röster, Kompott, in Butter geschmorte Früchte, Obstsalat oder Apfelmus.
Der Teig lässt sich auch ganz hervorragend am Abend im Vorhinein zubereiten – zwei Tage im Kühlschrank hält er locker aus.

Zutaten für 4 Personen als Hauptspeise

Für die Dalken
4 Eier
50 g Zucker
250 g Hafermark
½ Packerl Backpulver
¼ l Milch
250 g Sauerrahm

Zum Ausbacken
Rapsöl

1. Die Eier mit dem Zucker schaumig rühren.

2. Restliche Zutaten unterheben und die Masse etwa 20 Minuten ziehen lassen. Sie sollte dann fest, aber noch cremig sein.

3. In einer beschichteten Pfanne etwas Öl erhitzen und pro Dalken 1 – 2 EL Teig in die Pfanne setzen. Auf beiden Seiten goldgelb backen.

4. Dalken auf Küchenpapier abtropfen lassen und heiß servieren.

Das Rezept stammt aus dem Buch Zu Gast bei Arche Noah von Gertrud Hartl / Arche Noah, erschienen im Löwenzahn Verlag.

Kommentare:

  1. Wenn du mir jetzt noch verrätst, was Hafermark ist, werde ich stante pede an den Herd eilen. :-)

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    1. Das sind bei uns ganz feine Haferflocken,fast wie Mehl. Ich denke, das lässt sich aus Haferflocken auch ganz leicht selbst machen. Ab in die Küche! :-)

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  2. Ja, zu den großen, gefühlten Freiheitsmomenten zählt auf jeden Fall auf dem Rücken eines galoppierenden Pferdes zu sitzen :)
    Ach, und deine Racker - du machst das gut! Gelassenheit ist - glaube ich - eine der schönsten, mütterlichen Eigenschaften. Naja, und Humor :)! Außerdem: wie schnell geht sie vorbei, die Lausbubenzeit...

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    1. Danke, meine Liebe ... :-*
      Das wilde Galoppieren ist leider schon viel zu lange vorbei ... Mein Phoenix wird langsam zu alt und hier im Mühlviertel fehlen auch die geeigneten Strecken ...

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  3. Es gibt im Lebens für alles seine Zeit...
    Du hast auch das schöne Arche Noah Kochbuch!! Ich habe das Buch sogar ins Ferienhaus mitgenommen, weil ich so verliebt bin ;-) Diese Dalken haben mich auch angelacht, muss aber erst Hafermark besorgen,
    lg

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    1. Eben, alles hat seine Zeit :-)
      Das Arche Noah Kochbuch lieb ich auch - alles feine, einfach umsetzbare und gesunde Rezepte. Ein guter Kauf!
      Soso, da gibt es also noch andere, die sich Kochbücher in den Urlaub mitnehmen ;-)))

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  4. Oh ich kann mich so in deine Geschichten hineinversetzen, als DreifachMama :-) immer wieder toll wie du das in Worte fasst!
    Die Dalken klingen auch gut, werden wir mal ausprobieren wenn wir wieder zuhause sind, momentan genießen wir noch die Sonne in Kroatien- du siehst sogar dorthin begleitet mich dein Blog ;-)
    Lg Elisabeth

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    1. Ach, das freut mich :-)))
      Ich hoffe, du genießt euren (ersten?) Urlaub als Dreifachmama!
      Alles, alles Liebe!

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  5. Ich bewundere Dich: Noch ohne Kinder ist das der Punkt, bei dem ich mich manchmal frage: Wirklich? Willst Du diese süße Freiheit wirklich hergeben? Allerdings sind drei Wirbelwinde (und nicht zwei oder nur einer) wohl das allerbeste Argument... und pfannengebackener Hafer sowieso.

    Herzlich: Charlotte

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    1. Jaja, noch kinderlos, da fallen einem tausend Gründe ein, keine Kinder haben zu wollen ;-)
      Ich kann nur sagen: Ich geb sie nicht mehr her :-)))
      Alles Liebe!

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  6. Toll, wie ehrlich du auch das weniger Idyllische am Muttersein beschreibst. Und trotz allem so glücklich zu sein!

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    1. Es ist halt nicht alles Gold was glänzt ;-)
      Sollt ihr auch was von meinen Problemchen haben! :-)

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  7. Bei mir ist das ja schon vorbei, wobei auch mit älteren Kindern,..irgendwie ist immer alles im flow..sie brauchen einen immer, solange es uns gibt. Aber ich habs wenigstens geschafft, dass sie alleine ihr Leben leben können, natürlich im Wissen, die Eltern, die Mama sind immer da wenns mal brennt.

    Genieß die Zeit, die wo sie einen nicht mehr brauchen, kommt viel zu schnell!

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    1. Ich weiß, und davor fürcht ich mich jetzt schon ;-)
      Danke liebe Sina, fürs immer Mitlesen, Kommentieren, einfach dabei sein ...

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