Freitag, 25. November 2016

Angekommen


Es gibt Momente im Leben, die auch in der Wiederholung nichts von ihrem Zauber verlieren.


Oder besser: … in der Wiederwiederholung. Und genau so ist es auch. Unser Haus ist erfüllt von so viel Leben, seit vor knapp zwei Wochen ein kleines Käferlein in unsere Welt geflogen kam. Die Tage erleben wir sehr intensiv, die Nächte sind trotz allem erholsam. Wieder können wir uns kaum satt sehen an den dunklen, staunenden Augen dieses kleinen Wesens, wieder sind wir unendlich dankbar, dass unser Sohn gesund und bei uns ist.


Die Tulpe und der Käfer

Es sitzt ein kleines Käferlein
in einer Tulpenblüte,
sie lädt ihn ein, ihr Gast zu sein
und spricht in ihrer Güte:

„Ruh dich aus, mein kleiner Freund,
ich schließe meine Blätter,
du bist beschützt vor jedem Feind
und auch vor jedem Wetter.“

Sanft schaukelt sie das Käferkind,
es fühlt sich wie im Himmel.
Es träumt vom lauen Frühlingswind
und Maiglöckchengebimmel.

Die Tulpe schläft und träumt dann auch,
sie lächelt sanft im Schlaf.
Sie hat ein Kind in ihrem Bauch,
das sie beschützen darf.

Nur zögernd öffnet sie am Morgen
die roten Blütenblätter,
sie möchte weiter für ihn sorgen,
zu zweit ist es viel netter.

Das Käferchen jedoch fliegt los,
es ruft noch „Danke schön!“
Die Tulpe teilt der Mütter Los,
wartet auf’s Wiedersehn.

Regina Meier zu Verl

Sonntag, 13. November 2016

Trata!


Der kleine Mann liebt Traktoren. Neben Mama und Papa war Trata aka Traktor tatsächlich sein erstes Wort. Heute gibt es für ihn nichts Schöneres, als mit seinem Onkel oder Opa am Traktor zu sitzen und Holz heim zu schaffen, gerne auch stundenlang, wortkarg und voll konzentriert. Und es vergeht kaum ein Tag, an dem er sich nicht irgendwann einmal eine Fernbedienung, einen Holzbaustein oder eines dieser furchtbaren Fake-Handies vom Minimädel (btw … warum bloß gibt es keine goodie-freien Kinderzeitschriften ohne dieses entsetzliche Plastik-Klumpert mehr, warum?) ans Ohr hält und ruft: Opa Ehep [Opa Sepp], Deere-Runde!!! Was für ein Glück, dass Onkel und Opa Traktoren aller Farben und Größen in der Garage haben – sogar 6 an der Zahl! Also ehrlich, da muss man ja traktornarrisch werden …

Und weil der kleine Mann Traktoren so liebt, kennt er sich für seine zwei Jahre auch schon ziemlich gut mit den verschiedenen Marken aus. Was meint ihr, was ist ein …

Dir (ok, das ist leicht)
Fent (auch leicht)
Deuz (jaja, aber genug ausgeruht, jetzt wird’s schon schwieriger …)
Nonend
Dini
Inta
ACC
Eier
Fa
Braun

and finally … Zuzaza?


Vollkorn-Traktorkekse

Die Traktorkekse schmecken nicht zu süß, nussig und gut für Zwischendurch. Wer mag, bestreut die Kekse vor dem Backen noch mit etwas Braunzucker und drückt den Zucker leicht an.

Zutaten für etwa 2 Bleche

250 g Dinkelvollkornmehl
50 g Zucker
75 g gemahlene Mandeln
½ TL Zimt
½ TL Backpulver
1 TL Vanillezucker
1 TL Zitronenschale
100 g kalte Butter
1 Ei
1 Schuss Milch

1. Mehl mit Zucker, Mandeln, Zimt, Backpulver, Vanillezucker und Zitronenschale mischen.

2. Die kalte Butter in Stücken dazugeben und gut mit der Mehlmischung verbröseln.

3. Ei und Milch zugeben und alles zu einem glatten Mürbteig verkneten. Den Teig zu einer Kugel formen, in Frischhaltefolie wickeln und etwa 1 Stunde im Kühlschrank rasten lassen. Man kann den Teig auch gut am Vortag zubereiten und über Nacht ruhen lassen.

4. Das Backrohr auf 180 °C Ober-/Unterhitze vorheizen. Zwei Bleche mit Backpapier auslegen.

5. Den Teig auf der bemehlten Arbeitsfläche etwa 3 mm dick ausrollen, Traktoren oder andere Formen ausstechen und auf den Blechen verteilen.

6. Die Kekse etwa 12 – 15 Minuten goldbraun backen.

7. Aus dem Ofen nehmen, kurz überkühlen lassen und dann auf einem Kuchengitter vollständig abkühlen lassen.

Quelle: Kuchenschlacht.


Auflösung: Dir = John Deere, Fent = Fendt, Deuz = Deutz, Nonend = New Holland, Dini = Landini, Inta = Lindner, ACC = IHC / International, Eier = Steyr, Fa = Fahr, Braun = David Brown.
Und der Zuzaza? Das ist der 15er-Steyr meiner Großeltern väterlicherseits, unser beliebtester Ausflugstraktor und liebevoll Fuchzehna genannt. 
Mittwoch, 9. November 2016

Vorfreude ist die schönste Freude


Was war ich doch für eine vorbildliche Schwangere, als ich mich auf das Minimädel freute: Gymnastik, Akupunktur, Homöopathie, Aromaöle, Entspannung und Meditation, Dampfbäder – alles hatte ich im Programm. Von kubikliterweise Schwangerschaftstee ganz zu schweigen. Beim kleinen Mann dann war ich schon ein wenig fauler und hatte weit weniger Zeit. Aber dem Tee blieb ich treu. Und jetzt? Puh, es ist wohl geworden, was es werden musste: Eine Schwangerschaft, die mitläuft. Mitlaufen muss, so ziemlich nebenbei. Die Geburtsvorbereitung habe ich schnell in andere Hände gelegt – in die meines eigenen Körpers. Am Tag X vertraue ich darauf, dass er sich selbst optimal vorbereitet hat. Ich denke und hoffe, er weiß mittlerweile, was zu tun ist.

Die Sache mit dem Schwangerschaftstee konnte ich dennoch nicht ganz lassen. Inspiriert durch Beth und ihr Moon Mother Elixir stelle ich euch heute – auf meinen letzten Metern – eine Mischung vor, die ich immer wieder gern getrunken habe – entweder warm als Tee, im Sommer aber auch gerne (eis-)gekühlt oder in Form eines Cocktails mit Kombucha oder leichtem Schwarztee gemischt und mit Eiswürfeln serviert. Wenn ich Lust darauf verspürte, ging ich einfach zwei Etagen tiefer und holte mir meine Kräuter und Blütenblätter frisch aus dem Garten. Kleine Momente der Fokussierung und Entspannung inklusive …


Vorfreudetee / Schwangerschaftstee

Generell sollte in der Schwangerschaft viel getrunken werden, um den Körper bei seiner energieraubenden Aufgabe, ein Kind für sein Leben da draußen zu rüsten, optimal zu unterstützen. Schwangerschaftstees sind dabei durch ihre Zusammensetzung und die Kraft und Wirkungsweisen der enthaltenen Kräuter sehr hilfreich. Die bekannte Hebamme Ingeborg Stadelmann empfiehlt, etwa ab der 16. Schwangerschaftswoche täglich drei Tassen davon zu trinken.
Meinen Vorfreudetee habe ich dieses Mal leider sehr unregelmäßig genossen, schon gar nicht täglich. Gründe dafür gibt es viele, ganz bestimmt aber nicht den, dass er nicht schmeckt.

Zutaten für 1 Liter Tee

2 Handvoll frische Kräuter aus dem Garten: Himbeerblätter, Brennnesselblätter, Schafgarbenkraut, Frauenmantelkraut und Zitronenmelisse
einige duftende Rosenblütenblätter
1 EL getrocknete Hibiskusblüten
2 - 3 Scheibchen frischer Ingwer
1 Liter kochend heißes Wasser
1 – 2 TL Rosenwasser
Honig nach Geschmack

1. Frische Kräuter, Rosenblütenblätter, Hibiskusblüten und Ingwer in eine Teekanne geben und mit kochend heißem Wasser übergießen. Etwa 10 Minuten ziehen lassen.

2. Abseihen und mit Rosenwasser und Honig verfeinern. Der Tee schmeckt heiß und kalt ganz hervorragend.


So, und was bewirken nun meine Pflanzenfreunde?

Himbeerblätter lockern die Muskulatur im kleinen Becken, unterstützen den gesamten Stoffwechsel, wirken anregend auf den Darm, erzeugen innere Ruhe und Gelassenheit und sind reich an Vitaminen.

Brennnesselblätter wirken mild diuretisch, das heißt, sie unterstützen die Ausscheidung über die Nieren. Sie sind richtige Superhelden, was ihren Vitamin- und Mineralstoffgehalt betrifft, sie verbessern die Elastizität der Venen und können dabei helfen, den Eisenstatus des Körpers zu erhöhen – ein wahrer Segen bei Müdigkeit und Energielosigkeit.

Schafgarbe unterstützt die Blutgerinnung und wirkt ebenfalls harntreibend, was der Bildung von Ödemen entgegen wirken kann. Auch bei Magenbeschwerden und Appetitlosigkeit kann sie hilfreich sein.

Frauenmantel wird traditionell zur Unterstützung der besonderen hormonellen Situation in der Schwangerschaft getrunken.

Zitronenmelisse wirkt beruhigend und ist gut für die Verdauung bzw. bei Magen-Darm-Beschwerden.

Rosenblüten haben eine beruhigende und kühlende Wirkung.

Hibiskusblüten stimulieren die Durchblutung der Gebärmutter und wirken leicht harntreibend.

Ingwer ist hilfreich gegen Schwangerschaftsübelkeit und Erbrechen, außerdem stärkt er das Immunsystem.

Quelle unter anderem: hebammenwissen.info
Donnerstag, 3. November 2016

Eine Seele von einem Mädel


Heute wird es Regen geben, meint das Minimädel neben mir mit ernster Miene, während wir aus dem Fenster schauen, während draußen die Blätter vorbei wirbeln – und es kräftig regnet. Ich liebe meine Kleine sehr – und für solche Momente noch mehr. Ich beneide sie geradezu um ihr Vermögen, die Echtzeit einfach auszublenden und hinüber zu tauchen in ein imaginäres Zauberreich, so voller Phantasie, voller Schmetterlinge und Einhörner, wo sie über Regenbögen spaziert und mit verzauberten Ponys zu den Wolken fliegt.

So ein Zauberreich bräuchte auch ich manchmal, wenn plötzlich die Freundin des Minimädels samt deren geschmackvoll gekleideter Mutter an der Haustür steht und ich extremst ungestylt öffnen muss, gleichzeitig der kleine Mann viel zu früh und mit verstopfter Nase und daher weinend aus seinem Mittagsschlaf erwacht und Chi, der aufgeweckte Border Collie, mir auch noch voller Erwartung sein Spielzeug auf die Zehen legt. Sternenschweif, wo bist du???

Zum Glück sind solche Stressmomente in der Unterzahl, viel öfter passiert es, dass ich vor lauter Lachen nicht mehr weiß, wohin. Kürzlich durfte das Minimädel bei mir im großen Bett schlafen, mein Mann war verreist. Wir drehten das Licht ab und wünschten uns eine gute Nacht. Plötzlich begab sich die Kleine neben mir in den Vierfüßlerstand – und verharrte regungslos. Was soll das?, fragte ich. Ach Mama, meinte sie, du weißt schon. Ich war verwirrt, ich wusste nicht. Einhörner und Pferde schlafen nun mal so – im Stehen. Sie schnaubte müde und senkte den Kopf. Vermutlich bin ich vor ihr eingeschlafen.


Allerheiligenstriezel mit Seelenvögeln

Ich weiß, ich bin spät dran. Viel zu spät. Deshalb lege ich euch diesen Allerheiligenstriezel für’s nächste Jahr ans Herz. Er wird aus Dinkelmehl gemacht, ist wattig weich und saftig. Ein gewisser Vollkornanteil stünde ihm sicher ebenfalls gut zu Gesicht, was ich mir selbst hiermit gleich vormerke.
Geformt wird er aus einem geflochtenen Vierstrangzopf, dem eine Kordel aus zwei kleineren Strängen sowie zwei Seelenvögel aufgesetzt werden. Seelenvögel habe ich im Buch Brot und Brauchtum von Elisabeth Schiffkorn entdeckt – sie symbolisieren den Geist der Verstorbenen.

Zutaten für 3 Striezel

Für den Teig
1 kg glattes Dinkelmehl
30 g frische Hefe, zerbröckelt (oder 1, 5 Packerl Trockenhefe)
180 g Zucker
1/2 TL Salz
550 g lauwarme Milch
150 g weiche Butter
3 Dotter

Zum Bestreichen
1 verquirltes Ei

1. Die Teigzutaten der Reihe nach in die Schüssel der Küchenmaschine einwiegen. Auf mittlerer Stufe einige Minuten lang mit dem Knethaken zu einem glatten, geschmeidigen und eher weichen Germteig verarbeiten. Sobald sich der Teig vom Schüsselrand löst, ist er fertig.

2. Den Teig mit einem Küchentuch abdecken und an einem warmen Ort etwa 1 Stunde gehen lassen, bis er sein Volumen verdoppelt hat.

3. Teig auf einer leicht bemehlten Arbeitsfläche gut durchkneten und in 18 Stücke teilen. Pro Striezel werden 6 Stücke benötigt. Jeden Teigling auf der Arbeitsfläche rund schleifen und dann auf einem bemehlten Küchentuch abgedeckt bis zur Verarbeitung parken.

4. 6 Teiglinge bereit legen. 4 davon bleiben ganz, von den restlichen zweien wird jeweils mit der Teigkarte ein Drittel abgestochen.


5. Die 4 ganzen Teiglinge werden zu Strängen von etwa 50 cm Länge ausgerollt und zu einem Vierstrangzopf geflochten. Dazu werden die 4 Teigenden fest zusammengedrückt. Drei Stränge kommen nach rechts, ein Strang kommt nach links.


Auf der rechten Seite wird nun einmal ganz normal geflochten, wie man es von einem Dreistrangzopf kennt, also einmal nach links (4 über 3) und einmal nach rechts (2 über 4).


Dann wird der linke Strang unter den Nachbarstrang nach rechts dazugelegt (1 unter 4). Es liegen nun wieder drei Stränge rechts und einer links. Mit der Flechtung so fortfahren, bis der Zopf fertig geflochten ist.



Den Zopf auf ein mit Backpapier ausgelegtes Blech geben.

6. Die zwei verbleibenden größeren Teigstücke werden zur Länge des Striezels ausgerollt und miteinander verzwirbelt.
Nun sind noch zwei kleine Teigstücke übrig, aus ihnen werden die Seelenvögel gemacht. Sie werden zu einer Länge von etwa 25 cm ausgerollt. Einen lockeren Knoten schlingen. Das unten liegende Ende wird das Schwanzteil, es wird flach gedrückt und mehrmals eingeschnitten.


7. Die Oberfläche des Vierstrangzopfes mit Wasser bestreichen, den verzwirbelten Zopf mittig der Länge nach auflegen und leicht andrücken. Seelenvögel an beliebiger Stelle auf den Striezel aufsetzen, dabei die Stelle wieder mit etwas Wasser benetzen, damit später beim Backen nichts verrutscht.

8. Mit den restlichen Teigkugeln genauso verfahren.

9. Die Allerheiligenstriezel mit Ei bestreichen und dann nochmals etwa 30 Minuten gehen lassen. Kurz vor dem Backen nochmals mit Ei bestreichen.

10. Das Backrohr auf 190 °C Ober-/Unterhitze vorheizen. Die Striezel werden nacheinander gebacken, wobei sich bei mir auf einem Blech zwei Striezel ausgegangen sind.

11. Allerheiligenstriezel ins Rohr geben, die Hitze auf 170 °C reduzieren. Striezel in etwa 30 Minuten goldbraun backen. Falls sie nicht gleichmäßig bräunen, kann man in den letzten Minuten noch Heißluft zuschalten, damit die Hitze besser zirkuliert. Dann sollte man das Gebäck aber im Auge behalten, da es sehr schnell bräunt.

12. Striezel aus dem Ofen nehmen und auf einem Kuchengitter abkühlen lassen.
Dienstag, 18. Oktober 2016

Würzige Worte


Da ist zu viel Knoblauch dran.

So etwas wie zu viel Knoblauch gibt es nicht.

Marcello (Jean Reno) meckert in Roseanna’s letzter Wille über das Essen, wird aber von Roseanna (Mercedes Ruehl) unmittelbar mundtot gemacht.



Knoblauchsalz

Knoblauchsalz ist eine wunderbare und praktische Möglichkeit, größere Mengen Knoblauch haltbar und convenient zu machen. Es hält sich im Kühlschrank gelagert sehr lange, ohne wesentlich an Qualität oder Aroma zu verlieren. Wenn es schnell gehen muss, verwende ich es sehr gerne. 1 Teelöffel der Paste ersetzen bei mir etwa 2 frische Knoblauchzehen sowie einiges an Salz. Mit zusätzlichem Salz bin ich dann eher vorsichtig und taste mich lieber in einer Würzrunde mehr an die richtige Menge heran. Danke Mama für diese Idee!

Zutaten

Knoblauch
Salz

1. Knoblauchzehen schälen und abwiegen.

2. Dieselbe Menge an Salz dazuwiegen.

3. Im Mixer oder mit dem Pürierstab zu einer feinen Paste pürieren.

4. Die Masse in saubere Gläser mit Schraubdeckel abfüllen. Kühl lagern.


Die Entdeckung, dass Knoblauch auch in feines Essen passt.

Wolfram Siebeck antwortet in einem Interview auf die Frage nach den größten Errungenschaften in der Kulinarik.
Samstag, 15. Oktober 2016

Erstklassig


Nun ist das Minimädel also eingeschult. Meine kleine, unfassbar süße Tochter, die ich ja eigentlich genau genommen so gar nicht mehr als Mini bezeichnen kann (stolze 119 cm, gerade gemessen). Mit der ich bereits Endlosdiskussionen führen muss (Den Biomüllkübel in den Garten bringen? Unzumutbar. Nur eine Folge Bibi & Tina? Geht gar nicht), die gleichzeitig aber auch nichts lieber tut, als an meinem Rockzipfel zu hängen - vor allem dann, wenn ich allein das Haus verlassen will. Und sei es nur, um kurz mit Chi nach draußen zu gehen (Mama, ich will bei diiiiiiir sein).

Das Minimädel und ich, wir sind ein gutes Team. Oft sind wir geteilter Meinung, aber es gibt Leidenschaften, die wir teilen. Das Anlegen von Listen. Die Liebe zu Tieren. Experimente in der Küche. Es wird spannend, wie sich diese Leidenschaften gemeinsam mit ihr entwickeln. Wachsen sie mit? Schlafen sie ein? Es wäre schön, könnte ich ihr dies mit auf den Weg geben: Es ist wichtig, Interessen zu haben, sie wach und lebendig zu halten, leidenschaftlich sein zu können. Egal, was andere meinen, mögen sie auch noch so sehr ihre Augen verdrehen oder ihre Köpfe schütteln.

Mein Minimädel, du bist erstklassig! Das warst du immer und wirst du für mich auch immer sein …


Gebackene Apfelknödel

Erstklassige Mädchen verdienen erstklassige und wohltuende Gerichte, wenn sie mittags von der Schule kommen. Nach diesen gebackenen Apfelknödeln aus Brandteig war ich süchtig in meiner Kindheit. Wer mag, steckt noch zusätzliche Apfelspalten zwischen die Knödel und bäckt sie mit. Sie gelingen übrigens auch hervorragend mit Zwetschken oder Marillen.

Zutaten für etwa 6 Personen

Für den Brandteig
1 l Milch
½ TL Salz
50 g Butter
500 g glattes Mehl
2 – 3 Eier (je nach Größe)

Zum Füllen
3 – 4 große Äpfel
Kristallzucker

Zum Bepinseln
1 Stich Butter

1. Für den Teig Milch mit Salz und Butter in einem Topf erhitzen. Sobald die Milch kocht, den Topf vom Herd ziehen und das Mehl auf einmal hinein geben. Mit einem Kochlöffel kräftig umrühren. Den Topf wieder auf die Herdplatte stellen und den Teig bei mäßiger Hitze kraftvoll schlagen und abbrennen, bis er sich vom Topfboden löst und sich darauf ein weißlicher Belag bildet. Den Teig von der Hitze nehmen und kurz überkühlen lassen.

2. Das erste Ei unterrühren, bis die Masse wieder gebunden ist. Mit dem zweiten bzw. dritten Ei genauso verfahren.

3. Die Äpfel schälen, vierteln und das Kerngehäuse entfernen. Die Apfelviertel nochmals quer halbieren.

4. Das Backrohr auf 180 °C Ober-/Unterhitze vorheizen.

5. Aus der Hälfte des Teiges auf der bemehlten Arbeitsfläche eine Rolle von etwa 3 cm Durchmesser formen und diese in Scheiben von etwa 1,5 – 2 cm Dicke schneiden.

6. Jede Teigscheibe mit ½ TL Kristallzucker und einem Apfelstück belegen, beides mit dem Teig umhüllen, die Nahtstelle gut zusammendrücken und runde Knödel formen.

7. Mit der zweiten Hälfte der Zutaten genauso verfahren.

8. Die Knödel mit der Verschlussseite nach unten in eine mit Backpapier ausgelegte oder mit Butter ausgestrichene Form oder Pfanne setzen. Im vorgeheizten Rohr etwa 45 Minuten goldbraun backen.

9. Kurz vor Ende der Backzeit die Butter schmelzen und die Knödel damit bepinseln. Noch einige Minuten fertig backen.

Mittwoch, 12. Oktober 2016

Tschüss Felix!


Es war nett mit dir. Doch jetzt probier ich einen anderen aus. Einen unaufgeregten nämlich, aber auch keinen kompletten No Name. Denn einen Namen hat er ja: Peckap.

Peckap ist ein ziemlich dominanter Typ. Überall will er dabei sein. Geradezu aufdrängen tut er sich. Und hat damit richtig Erfolg. Alles was fad ist, wird mit ihm zum Brüller. Und ist er nicht da, wird laut nach ihm gerufen: PECKAAAAAAP!!!!

Peckap aka Ketchup, ihr wisst schon. Der kleine Mann ist versessen darauf und verlangt bei allen nur erdenklichen kulinarischen Gelegenheiten danach. Beim Minimädel war das anders. Erst vor gut einem Jahr hat sie begonnen, die rote Sauce zu mögen. Ach, was war ich froh, dass das so lang gedauert hat. Aber nun steht das Zeug halt am Tisch. Und mit den Überzeugungsversuchen hab ich längst aufgehört.

Aber deswegen geschlagen geben? Sicher nicht. Vielmehr hab ich mich angesichts einer Schüssel vollreifer, sonnenwarmer Tomaten gefragt, ob mir all das leichter fiele, würde ich mein Ketchup selber machen. Ja, tut es. Ungemein. Selbst gemacht schmeckt wie immer um Welten besser, findet auch mein Mann. Aber die Kinder? Ich war skeptisch, ganz ehrlich. Und hab deshalb – so richtig hinterlistig – mein Ketchup in die bestens bekannte, rot-gelbe Plastikflasche gefüllt. Hab sie kommentarlos und in bester Laune auf den Tisch gestellt – und gewartet, was passiert. Der kleine Mann war zufrieden. Er hat zugelangt, eingetunkt und herumgeschmiert wie immer. Beim Minimädel hingegen spürte ich leisen Zweifel aufkommen, kurz rümpfte sich das Näschen. Ich verharrte reglos. Dann plötzlich aß sie mit gutem Appetit. Ha! Triumphierend ließ ich mich in Gedanken von einer Heerschaft ketchupgeplagter Mütter feiern.

Doch die Sache hat einen Haken. Das selbst gemachte Ketchup hält sich halt nicht ewig und verändert offenbar (natürlich!) im Laufe der Zeit seinen Geschmack. Was den kleinen Mann (noch) nicht stört, das Minimädel hingegen befand schon bald: Wäh. Seitdem verweigert sie die rote Sauce. Und bestimmt fragt sie sich, warum ihre verrückte Mutter jetzt plötzlich will, dass sie Ketchup isst – anstatt heilfroh zu sein, dass sie es – nach all dem Gejammere – nun nicht mehr tut.


Ketchup selbst gemacht

Ich finde ja, Felix und Heinz können sich brausen gehen. Von mir aus auch miteinand. Der klare Vorteil von hausgemachtem Ketchup ist nämlich der, dass ich selbst bestimmen kann, was ich drin haben möchte und was nicht. Dass ich mit dem Zuckeranteil spielen und mir Varianten ausdenken kann. Die Haltbarkeit hingegen, das ist ein klarer Nachteil. Wenn man es so sehen will – oder muss.

Zutaten für etwa 2 Flaschen

1 große weiße Zwiebel
1 große rote Zwiebel
2 Knoblauchzehen
1 EL Rapsöl
100 g brauner Zucker
125 ml weißer Balsamico-Essig
1,5 kg sehr reife Tomaten
150 g Tomatenmark
1 EL Salz
Schwarzer Pfeffer, Cayennepfeffer, Zimt und Muskatnuss zum Abschmecken

1. Die Zwiebeln schälen und grob würfelig schneiden. Knoblauchzehen schälen und grob zerkleinern.

2. Beides in einem großen Topf bei mittlerer Hitze in Rapsöl anschwitzen.

3. Den Zucker zugeben, gut verrühren und bei mittlerer Hitze etwa 5 Minuten lang karamellisieren lassen.

4. Währenddessen die Tomaten vierteln und den Strunk entfernen.

5. Die Zwiebelmischung mit Essig ablöschen, kurz aufkochen lassen, dann die Tomatenviertel dazugeben. Tomatenmark und Salz einrühren.

6. Den Topf mit dem Deckel verschließen, die Hitze höher schalten und alles aufkochen lassen.

7. Sobald die Masse kocht, die Hitze wieder etwas reduzieren, den Deckel schräg auf den Topf legen (wichtig, sonst sieht die Küche danach aus wie …) und ungefähr 30 Minuten köcheln lassen. Zwischendurch immer wieder umrühren, damit nichts anbrennt.

8. Nach etwa 30 Minuten Kochzeit die Mischung in zwei Etappen im Mixer auf höchster Stufe sehr fein pürieren. Dann kommt alles wieder zurück in den gesäuberten Topf. Mit Pfeffer, Cayennepfeffer, einer Prise Zimt und Muskatnuss würzen.

9. Wiederum aufkochen lassen, den Deckel wieder schräg auflegen, die Hitze reduzieren. Nun darf die Masse etwa 45 weitere Minuten köcheln, bis sie auf jene Konsistenz einreduziert ist, die man gerne haben möchte. Bei mir hat sich die Mischung auf etwas weniger als die Hälfte der ursprünglichen Menge einreduziert.

10. Nochmals würzen und abschmecken.

11. Das fertige Ketchup noch heiß in saubere Glasflaschen oder Gläser (oder auch in ausgespülte Ketchupflaschen) füllen und gut verschließen. Kühl gelagert sollte es sich dann mehrere Monate frisch halten.


Wer mag, kann gerne mit folgenden Variationsvorschlägen experimentieren:

Curry-Ketchup: Mit Currypulver nach Geschmack würzen.
Knoblauch-Ketchup: Statt 2 werden 4 oder mehr Knoblauchzehen verwendet.
Hot Ketchup: Chilischoten mitköcheln oder mehr Cayennepfeffer nehmen.
Kräuter-Ketchup: Thymian, Rosmarin und Basilikum dazugeben.


Inspiration für dieses Rezept fand ich hier.
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